Depotupdate 31. Mai 2022

Nachdem das letzte Depotupdate schon etwas länger zurückliegt, wird es Zeit, dass wir das hier endlich mal nachholen. Ich habe allerdings eine gute Entschuldigung für meine Inaktivität auf diesem Blog (wenngleich ich auf Instagram weiter aktiv war und bin): Ende März wurden unsere Zwillinge geboren und hier galt es selbstverständlich, erstmal alle Zeit darauf zu verwenden, dass die beiden auch schnell ihr eigenes Kinderdepot haben. Die Gedanken dahinter, das Brokersetup und die ETF-Auswahl für unsere Kinder findet ihr hier.

Im heutigen Beitrag soll es aber um mein eigenes Hauptdepot gehen: Was hat sich seit dem letzten Update Mitte März getan?

Ganz wichtig aber vorab: Das sind alles lediglich meine privaten Überlegungen und sollen weder eine Anlageempfehlung noch -beratung darstellen! Das aktuelle Depot mit allen Gewichtungen findet ihr wie immer auf meiner Depotübersichtsseite.

Die Performance 2022

Legen wir los mit der Depotperformance. Privat tracke ich mein Depot über zwei Wege: Auf der einen Seite habe ich alles als Musterdepot bei Guidants aufgesetzt. Hier gibt es sowohl eine Desktop-Version als auch eine App und ich kann damit immer direkt am Smartphone tracken, wieviel Geld ich verliere. Dort sind aber leider nicht alle meine Wertpapiere aufgesetzt und die automatische Dividendenverbuchung funktioniert nicht immer. Deswegen lasse ich parallel noch ein Google Sheet laufen, in das ich mir stets aktuelle Preise ziehen lasse und mithilfe dessen ich Dividenden und Einzahlungen manuell tracke. Das ist quasi das genauere, aber eben auch aufwendigere Tool. Da ich dort aber auch stets den aktuellen Tages-Endstand aufzeichne, habe ich diese Werte (abzgl. der Einzahlungen) genutzt, um meine 2022er Performance einmal sauber auszurechnen und gegen einen ACWI-ETF (in EUR!) zu stellen.

Hierzu bitte beachten: Im Depot hatte ich das ganze Jahr über einen Cash-Anteil von ca. 10-15% und ich wäre nie so vermessen, zu glauben, dass ich den breiten Markt durch meine Einzelwerte wirklich schlage. Mein Ziel bzw. meine Hoffnung ist es einfach aber, eine ähnliche Performance mit jedoch niedrigerer Volatilität hinzubekommen. Detailliert ausgeführt habe ich meine Investmentphilosophie im letzten Beitrag.

Wie haben wir uns also geschlagen? Aktuell gar nicht so schlecht:

Bis Ende Mai war der ACWI-ETF in EUR also ca. 8.1% im Minus, während mein Depot nur 0.4% verloren hatte. Falls ihr euch für die Jahre davor interessiert, so bitte ich noch um ein wenig Geduld: Da ich früher nicht immer sauber aufgezeichnet habe, wann ich wieviel eingezahlt habe, ist das gerade etwas mühsam. Allerdings bin ich dabei, alle Monate seit Start des Einzelwertedepots Mitte 2020 zurückzurechnen. Davor habe ich hauptsächlich ETFs mit relativ hoher Cashquote (35%+) und ein paar hochkonzentrierten Einzelwerten gefahren. Der ETF-Anteil hat selbstverständlich wie der Markt performt, die Einzelwerte eher schlecht als recht. Auch das werde ich aber nochmal sauber ausrechnen und bei Gelegenheit hier auf dem Blog veröffentlichen.

Jetzt aber zu den beiden vergangenen Monaten! Da das Update heute umfangreicher als sonst ist und eben einen längeren Zeitraum umfasst, werde ich mich etwas kurz halten, aber versuchen, die wesentlichen Gedanken rüberzubringen. Schreibt mir gerne auf Instagram, wenn ihr Details wissen wollt!

Umschichtungen April 2022

Eigentlich hatte ich mir ja Mitte März vorgenommen, die nächsten Wochen nicht allzuviel am Depot was zu machen. Das habe ich so halbwegs eingehalten, bin dann aber auf eine interessante Sache gestossen: Ein generelles Problem vieler „alternative-like“ Wertpapiere (mehr zu diesen Dingern hier) ist es, dass viele Broker in Deutschland den Kauf verbieten, da es sich um beispielsweise sog. AIFs (alternative investment funds) handelt und oft die nach MiFID II für Privatanleger vorgesehenen Dokumente fehlen. Ich habe aber entdeckt, dass die Consorsbank (*) viele solche Geschäfte an der London Stock Exchange doch ermöglicht. Das hat mir plötzlich die Option geschaffen, bestimmte Papiere zu kaufen, die mir bisher verwehrt wurden. Aber bitte Vorsicht: Die Consorsbank (*) berechnet in London für jede Teilausführung volle Ordergebühren. Wenn ihr da nicht aufpasst, kann das sehr schnell teuer werden!

Mein Hauptkauf war ein Wertpapier, dass es mir schon lange angetan hat, auch wenn es aktuell „eher teuer“ war/ist: Die BH Macro. Noch nie gehört? Das wäre nicht verwunderlich, denn das Ding ist für Privatanleger in Deutschland eben über die meisten Broker nicht zugänglich und deswegen auch nicht wirklich bekannt. Was ist das also? BH Macro ist ein börsengelisteter Feeder-Fund für den Brevan Howard Master Fund, einer klassischen Cayman-Struktur des bekannten Hedge Funds Brevan Howard. Zu Hedge Funds im Allgemeinen und zu BH Macro habe ich vor einiger Zeit auch einmal eine Instagram-Post-Reihe gemacht (Teil 1, Teil 2 und Teil 3). Ein börsengelisteter Feeder ist im Prinzip eine handelbaren Briefkastenfirma, die ihr ganzes Geld in den echten Hedge Fund investiert.

Für den Kauf musste ich allerdings kurzfristig Liquidität freimachen und habe u.a. meinen Indien-ETF etwas reduziert und folgende kleinere Positionen verkauft:

  • Verkauf CIBC (-0.06%)
  • Verkauf Costamare (+59.3%)
  • Verkauf Scorpio Tankers (+78.2%)
  • Verkauf Kojamo (-6.6%)
  • Verkauf Potlatch Deltic (+3.6%)
  • Verkauf Service Corp (+16.6%)
  • Verkauf Asahi (-1.1%)

Warum diese Werte? Generell wollte ich ein paar gut-gelaufene „Krisen-Profiteure“ realisieren, dann auch aus Werten raus, die eher unter Inflation und Währungseffekten leiden (Asahi) sowie mein Dollar-Exposure reduzieren. Zu guter Letzt gab es ein ein Übernahme-Angebot für meine American Campus Communities, die ich daraufhin auch mit +85.8% verkauft habe. Gekauft wurden dann direkt größere/volle Positionen in der BH Macro (zu 41.45 Pfund) und in Hipgnosis Songs (zu 1.166 Pfund) über die Consorsbank in London. Letztere ist das zweite für Privatanleger zugängliche Musik-Rechte-Investitionsvehikel. Die Round Hill Music (das andere) habe ich ja bereits im Depot.

Da noch etwas Cash übrig war, habe ich noch weitere Nachkäufe getätigt:

  • Nachkauf RIT Capital Partners zu 25.92 Pfund
  • Nachkauf Deutsche Post zu 40.455 Euro
  • Nachkauf Deutsche Beteiligungs AG zu 29.20 Euro
  • Nachkauf Samhällsbyggnadsbolaget zu 2.83 Euro

Weiterhin habe ich die Schwäche in deutschen Immobilienwerten genutzt, um kleinere Positionen in der LEG Immobilien (zu 98.22 Euro) und in der Grand City Properties (zu 16.94 Euro) zu startet. Wie es das Gesetz will, sind diese Werte natürlich dann erstmal weiter gefallen. Diese Käufe stehen übrigens auch etwas unter dem Motto, mein Dollar-Exposure (sowohl im Depot als auch bei den Dividenden) zu reduzieren und mehr Euro-Positionen ins Portfolio zu nehmen. Dazu aber gerne mal einen extra Blogbeitrag!

Zu guter Letzt habe ich noch eine kleine Position in der Ryder Systems (US-Trucking-Unternehmen) zu 68 Euro gestartet. Diesen Wert habe ich aber direkt im Mai wieder zu 81 Euro (+19.1%) verkaufen müssen, da es auch hier ein Übernahmeangebot gab.

Umschichtungen Mai 2022

Der Mai stand ebenso noch im Zeichen der Umschichtungen aus dem April: Es war noch Cash übrig und viele Positionen im Depot waren noch offen. Weiterhin wollte ich den schwachen Euro nutzen, um etwas vor allem aus dem US-Dollar und dem kanadischen Dollar rauszukommen. Denn das größte Risiko, welches ich seit Anfang des Jahres für mein Depot sehe, ist ein Reversal im Euro: Lasst die EZB jetzt im July das erste Mal Zinsen erhöhen und die Federal Reserve im September tatsächlich eine Zinserhöhungspause einlegen. Dann kann ich mir gut vorstellen, dass der Euro plötzlich wieder auf 1.20 gegenüber dem US-Dollar steigt. Um das an der Stelle auch zu sagen: Ich hab keine Ahnung, ob sowas passiert. Aber ich sehe das einfach als potentielles Risiko für mein Portfolio, da ich eine große US-Dollar Position im Depot hatte/habe und ein noch größerer Teil meiner Dividenden in dieser Währung ausbezahlt wird. Also ist/war der Schlachtplan, mehr in Euro-Werte zu gehen, um dieses Risiko etwas abzubauen.

Konkret kam es (auch deswegen) zu folgenden Verkäufen:

  • Verkauf ATCO (+8.05%)
  • Verkauf BayWa (+37.0%)
  • Verkauf ContourGlobal (+31.18%)
  • Verkauf Unilever (-8.46%)
  • Verkauf Omni Bridgeway (-20.37%)
  • Verkauf Sonic Healthcare (+8.40%)

Drei Verkäufe möchte ich kurz begründen: BayWa war erst seit kurzem im Depot, aber da hatte sich der CEO mit einem, in meinen Augen höchst unseriösen, Fernseh-Ökonomen gezeigt. Einer der Hauptgründe für Investments ist für mich das Vertrauen in das Management – und das war damit schlagartig weg 😅. Bei ContourGlobal gab es schon wieder ein Übernahmeangebot, weshalb ich da direkt raus bin. Omni Bridgeway hat mir sehr wehgetan: Ich bin eigentlich weiter überzeugt von dem Unternehmen, aber die letzten Monate haben sich erwartete (und ökonomische sehr relevante) Auszahlungen aus verschiedenen Klagen immer weiter verschoben. Deswegen ist der australische Prozessfinanzierer meinen Umschichtungen zum Opfer gefallen, da ich einfach anderswo aktuell besser Opportunitäten sehe.

In folgenden Werten habe ich nachgekauft:

  • Nachkauf Veolia zu 27.15 Euro
  • Nachkauf DBS zu 23.17 Euro
  • Nachkauf TAG Immobilien zu 16.36 Euro
  • Nachkauf Volta Finance zu 5.91 Euro
  • Nachkauf ABC Arbitrage zu 7.19 Euro
  • Nachkauf Virtu Financial zu 24.51 Euro

Im Rahmen meines Plans, auch insbesondere bei Dividenden mehr in Euro (und Yen sowie Pfund) zu diversifizieren, habe ich folgende (teilweise noch kleinere) Neukäufe getätigt:

  • Kauf Prosegur Cash 0.729 Euro
  • Kauf Deutsche Bank zu 9.285 Euro
  • Kauf Bluefield Solar zu 1.58 Euro
  • Kauf Mercedes-Benz zu 65.41 Euro
  • Kauf BASF zu 51.64 Euro
  • Kauf Covestro zu 42.97 Euro
  • Kauf Mitsubishi Gas Chemical zu 15.60 Euro
  • Kauf Volkswagen zu 154.32 Euro
  • Kauf Royal Mail zu 3.76 Euro

Und zu guter letzt habe ich noch eine volle Position im aktiven Long-Short-Fund Man GLG Alpha Select (zu 160.15 Euro) gestartet. Der Hedge Fund hatte es mir schon lange angetan, da die Performance seit Übernahme des „neuen“ Managements (November 2013) wirklich sehr schön aussieht. Der Fund hat für die Rendite wohl etwas zu viel Leverage im Hintergrund, aber als Privatanleger sehe ich persönlich nicht viel bessere Hedge Funds, die mir zugänglich sind. Was der Fund macht, habe ich hier mal erklärt.

Wie soll es im Juno weitergehen? Ich habe noch 1-2 Hedge Funds auf meiner Kaufliste und theoretisch noch Platz für eine weitere Consumer Aktie. Konkret habe ich also vor, meine Cash Position von aktuell noch rund 10% weiter abzubauen. Kurz vor der Veröffentlichung dieses Beitrages habe ich direkt auch schon die Gelegenheit genutzt, in der Samhällsbyggnadsbolaget nochmal zu 2.036 EUR nachzulegen. Mal schauen, was der kommende Monat sonst so bringen wird 😅

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