Executive Summary

Durch etwaige Quellensteuern können euch bei Dividendenzahlungen teilweise deutliche Nachteile entstehen, wenn ihr diese nicht „vorabreduziert“ oder rückfordert. Stellt man es aber geschickt an, ist die steuerliche Belastung auf viele ausländische Dividenden sogar niedriger als bei dt. Aktien.

Bei maxblue* (Online-Broker der deutschen Bank) ist eine kostenlose Vorabreduktion der u.a. kanadischen und schwedischen Quellensteuer möglich.

Bei der DKB (kein Affiliate-Link!) könnt ihr euch gegen Gebühren (knapp 12 EUR pro Land) für einige weitere Länder wie Frankreich oder Italien „vorabreduzieren“ lassen.

Dividenden: Quellensteuerübersicht

Zunächst einmal ein wichtiger Disclaimer: Diese Seite soll lediglich Informationscharakter besitzen und stellt in keinster Weise irgendeine Art von Steuerberatung dar. Ich habe die folgenden Informationen nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen, gebe aber keine Garantie für deren Richtigkeit.

Generell setzt sich die Besteuerung von Dividenden aus Sicht von deutschen Privatanlegern aus zwei Komponenten zusammen: Nämlich aus einer etwaig anfallenden ausländischen Quellensteuer und der deutschen Kapitalertragsteuer. Für letztere existiert ein Freibetrag von 801 EUR. Habt ihr sonst kein oder kaum weiteres Einkommen, könnt ihr im Rahmen einer Günstigerprüfung sogar von noch höheren Freibeträgen profitieren. Der Sinn dieser Seite hier ist aber der einer Übersicht über die Besteuerung von Dividenden aus verschiedenen Ländern. Deshalb geht’s jetzt auch damit los!

Deutschland 🇩🇪

Die Besteuerung von Dividenden deutscher Aktien ist aus offensichtlichen Gründen relativ simpel gestrickt: Es fallen im Regelfall 25% Kapitalertragsteuer an. Auf diese kommen dann noch der Solidaritätszuschlag von 5.5% und etwaige Kirchensteuer drauf. Letztere ignorieren wir auf dieser Seite und landen bei einer Gesamtbesteuerung von

25% + 25% * 5.5% = 25% + 1.375% = 26.375%

Teh funny: Dividenden aus dem Ausland werden aufgrund der Beschaffenheit der Solidaritätszuschlags-Erhebung teilweise sogar geringer besteuert, wie ihr beispielsweise gleich unter „USA“ sehen werdet.

Ausnahmen: Dividenden mancher Unternehmen wie Deutsche Telekom oder Deutsche Post werden ganz oder teilweise aus dem „steuerlichen Einlagekonto“ (§27 KStG) geleistet und werden damit scheinbar steuerfrei gezahlt. Dafür wird allerdings euer Einstandskurs der jeweiligen Aktie abgesenkt. Ihr zahlt damit auf die Dividenden keine Steuern, müsst diese aber im Endeffekt „nachzahlen“, wenn ihr die Aktie irgendwann mal verkaufen solltet.

USA 🇺🇸

Auf Dividenden „normaler“ US-Aktien fällt eine Quellensteuer von 15% an, die aber voll auf die deutsche Abgeltungssteuer angerechnet wird. Tatsächlich ist die Quellensteuer eigentlich sogar höher, aber so ziemlich alle deutschen depotführenden Banken profitieren von einer Ermäßigung aufgrund von Doppelbesteuerungsabkommen. Der Witz: Da ihr die 15% auf die 25% Kapitalertragsteuer angerechnet bekommt, fallen in Deutschland nur noch 10% an und der Solidaritätszuschlag wird nur noch auf diese 10% erhoben. Wir landen also bei einer Gesamtbelastung von

15% + (25%-15%) + (25%-15%) * 5.5% = 15% + 10% + 0.55% = 25.55%

Wichtig: Diese Rechnung gilt für Dividenden von „normalen“ Aktien. Bei sog. „LPs“ oder „MLPs“ funktioniert das nicht; die Besteuerung ist hier wesentlich komplizierter und ohne die Abgabe einer Steuererklärung in den USA ist die Belastung auf Ausschüttungen solcher Firmen deutlich höher, weshalb ich die Finger davon lasse. Ich mag es möglichst einfach und unkompliziert 😅

Kanada 🇨🇦

In Kanada ist die Lage erstmal etwas ungünstiger: Es fällt eine Quellensteuer von 25% an, von der allerdings nur 15% auf die deutsche Kapitalertragsteuer angerechnet werden können. Das ergibt eine Belastung von

25% + (25%-15%) + (25%-15%) * 5.5% = 25% + 10% + 0.55% = 35.55%

Hier kommt es jetzt aber auf die Wahl der richtigen, depotführenden Bank an! Bei maxblue beispielsweise besteht nämlich die Möglichkeit, die kanadische Quellensteuer durch Vorabbefreiung (einmal ein pdf ausfüllen und hinschicken) von 25% auf 15% absenken zu lassen. Dann sind wir am Ende bei einer Gesamtbelastung von

15% + (25%-15%) + (25%-15%) * 5.5% = 15% + 10% + 0.55% = 25.55%

China 🇨🇳

Die Lage in China ist leider schwierig:

  • Hong Kong erhebt eigentlich keine Quellensteuer. Es fällt dann die normale Kapitalertragssteuer (wie bei deutschen Aktien) an. Die Gesamtbelastung liegt also bei 26.375%.
  • Festland-China erhebt für gewöhnlich eine Quellensteuer von 10%, die man sich angeblich (!) dort erstatten lassen kann. Dies hat zur Folge, dass diese nicht auf die deutsche Steuer angerechnet wird. Es kommt also zu einer Gesamtbelastung von 36.375%.

Unübersichtlich wird es nun aber bei manchen Unternehmen, die zwar eine HK-ISIN, ihren Hauptsitz allerdings in Festland-China haben: China Mobile (HK0941009539) erscheint auf den ersten Blick als Hong Kong Aktie, hat aber seinen Sitz in Festland-China und es kommt zu einer Belastung von 36.375%.

Weiterhin problematisch ist, dass der Abzug der Quellensteuer von der Lagerstelle Clearstream durchgeführt wird. Diese bezieht ihre Informationen in Deutschland aber nicht „aus China direkt“, sondern von dem privaten Datenanbieter „WM Datenservice“ (Herausgebergemeinschaft Wertpapier-Mitteilungen, Keppler, Lehmann GmbH & Co. KG). Dort kommt es immer wieder zu mir nicht-nachvollziehbaren (und meiner Meinung nach falschen) Eintragungen, hatte in meiner aktiven Zeit in der Bank auch immer wieder mal Probleme wegen fehlerhaften Daten bei WM. Beispielsweise sollten auf Dividenden der Aktie China Tower (CNE100003688) 10% Quellensteuer fällig werden. Dies wurde mir auch von der Investor-Relations-Abteilung der chinesischen Firma bestätigt. Bei „WM Datenservice“ stehen trotzdem 20% Quellensteuer eingetragen und auch auf wiederholte Hinweise von mir und meinem Broker weigert man sich dort, die Daten zu korrigieren oder zu begründen, woher die Zahl kommt 😅

Japan 🇯🇵

Japan ist wieder leichter: Es fällt eine Quellensteuer von 15.315% an, wovon 15% auf die deutsche Steuer angerechnet werden. Keine Ahnung, was mit den 0.315% ist – vielleicht kann man sich die erstatten lassen, aber who cares?! Wir landen also bei einer Gesamtbelastung von 25.865%, was immer noch niedriger ist als bei deutschen Dividenden.

United Kingdom 🇬🇧

Großbritannien ist sehr einfach: Die Queen erhebt keine Quellensteuer auf Aktiendividenden. Es fällt also nur die deutsche Steuer an und wir landen also bei einer Gesamtbelastung von 26.375%.

Aber Vorsicht: Auf REITs werden 20% Quellensteuer erhoben, von denen nur 15% angerechnet werden. Wir kommen hier also bei 30.55% raus.

Frankreich 🇫🇷

Frankreich will eigentlich einfach und nett sein, aber Banken machen es kompliziert. Für Nicht-Franzosen gilt eine Quellensteuer von nur 12.8%, die voll auf die deutsche Steuer angerechnet wird. Die Gesamtbelastung liegt dann bei 25.671%.

The Schiat: Banken haben keine Lust, der Lagerstelle zu sagen, dass ihr keine Franzosen seid. Also werden euch volle 25% abgezogen, von denen nur 15% angerechnet werden. In Summe ergibt sich dann 37.871%. Noch ein Hinweis: Im Internet findet ihr hier teilweise andere Zahlen – diese sind nicht falsch, aber nichtmehr aktuell: Seit Januar 2022 ist die französische Quellensteuer bei den von mir genannten 25%.

Meines Wissen nach gibt es nur eine Bank in Deutschland, die die Möglichkeit bereitstellt, den Weg der niedrigeren Steuer zu gehen: Die DKB! Alle anderen Banken argumentieren mit Datenschutz – haha … Bei diesen könnt ihr aber meist Unterlagen bekommen, sodass ihr schriftlich in Frankreich einen Antrag auf Erstattung der zuviel gezahlten Steuer stellen könnt. Es fallen hierbei jedoch teilweise hohe Kosten an.

Spanien 🇪🇸

Spanien ist einfach, auch wenn etwas nervig: Es fallen 19% Quellensteuer an. Davon werden 15% angerechnet und die restlichen 4% kann man sich wohl in Spanien erstatten lassen. Angeblich arbeiten die Finanzämter dort aber nicht so effizient und der Prozess kann sehr lange dauern. Ohne Erstattung landen wir bei einer Gesamtsteuerlast von 29.55%.

Schweiz 🇨🇭

Schocker: Die Schweiz kassiert Quellensteuern. Und ich dachte immer, „Steuern zahlen“ ist eine Sünde dort. Es fallen 35% an, von denen 15% auf die deutsche Steuer angerechnet werden. Die fehlenden 20% kann man sich auf Antrag relativ einfach erstatten lassen. Man braucht nur von der deutsche Bank einen Tax Voucher – manche lassen sich den natürlich bezahlen …  Mit Erstattung sind wir bei 25.55% (sonst 45.55%).

Norwegen 🇳🇴

Alle nordischen Länder machen leider kleinere Probleme: Norwegen zieht 25% Quellensteuer ab. Angerechnet wird davon auf die deutsche Steuer nichts. Ihr könnt euch aber per einfachem Antrag 10% aus Norwegen zurückholen und euch über die deutsche Steuererklärung die anderen 15% anrechnen lassen. Einfach, aber halt nervig. Mit beiden Erstattungen beläuft sich die Gesamtbelastung auf 25.55%.

Schweden 🇸🇪

Schweden verhält sich wie der Nachbar: Nervig, aber machbar. Erstmal fallen 30% Quellensteuer an, wovon nur 15% angerechnet werden. Die Gesamtbelastung liegt damit zunächst bei 40.55%. Man kann sich aber wohl unkompliziert die restlichen 15% aus Schweden erstatten lassen. Alternativ bietet z.B. maxblue eine Vorab- reduktion an. Damit liegt die Steuerlast bei 25.55%.

Finnland 🇫🇮

Finnland legt auf Schweden nochmal ne Schippe drauf und nimmt 35% Quellensteuer, wovon wieder nur 15% angerechnet werden. Wir landen also bei einer Gesamtbelastung von 45.55%. Die offenen 20% kann man sich aber auch wohl unkompliziert erstatten lassen. Früher gab es über z.B. maxblue auch eine Vorabreduktion, aber das geht angeblich mittlerweile nicht mehr. Mit Erstattung landen wir bei 25.55%.

Dänemark 🇩🇰

Geht nicht mehr nerviger? Doch: Introducting the Winner: Dänemark! Es werden 27% einbehalten und nur 15% auf die deutsche Steuer angerechnet. Wir landen also erstmal bei 37.55%. Die fehlenden 12% kann man sich einfach per Antrag erstatten lassen. Dänemark hat aber Angst vor Cum-Ex und arbeitet extrem genau, was schonmal 1-3 Jahre dauert. Mit Erstattung liegen wir aber dann bei 25.55%.

Russland 🇷🇺

Russische Aktien kriegen wir über die gängigen Broker in Deutschland nur als ADRs oder GDRs. Steuertechnisch ist dafür alles relativ simpel: Es fällt eine Quellensteuer von 15% an, die aber voll auf die deutsche Steuer angerechnet wird. Wir landen also, wie bei z.B. US-Aktien auch, bei 25.55%.

Hinweis: Es fällt bei Dividendenzahlungen meist noch eine „ADR-Gebühr“ an („fremde Spesen“). Diese liegt oft zwischen 0.01-0.03 USD pro ADR und ist manchmal bei einem Maximalbetrag gecapped.

Italien 🇮🇹

Italien ist leider wieder mal etwas blöd: Es fällt eine Quellensteuer von 26% an, angerechnet werden nur 15%. Damit landen wir erstmal bei einer Gesamtbelastung von 36.55%. Die zuviel gezahlten 11% kann man sich zwar in Italien erstatten lassen, aber der Prozess scheint sehr langwierig zu sein. Über manche Banken wie z.B. die DKB scheint eine Vorabbefreiung möglich zu sein. Dann landet man „normal“ bei 25.55%.

Portugal 🇵🇹

Portugal ist der gleiche Mist: Die Quellensteuer liegt bei 28%, angerechnet werden wie immer nur 15%. Also haben wir eine Gesamtbelastung von 38.55%. Auch hier kann man sich wohl in Portugal theoretisch die 13% erstatten lassen. Ich konnte aber keine Infos auftreiben, „wie gut“ das klappt – was eher dafür spricht, dass es nicht so einfach ist.

Irland 🇮🇪

Irland ist auch wieder extrem irre (haha …): Eigentlich gibt es eine Quellensteuer von 25%. Für EU-Bürger entfällt diese aber!

Das Problem: Die deutschen Banken weigern sich wieder, der Lagerstelle/Irland mitzuteilen, dass ihr EU-Bürger seid. Also werden euch 25% Quellensteuer abgezogen. Da Deutschland aber sagt, dass diese ja für euch gar nicht anfällt, wird nix angerechnet und wir landen bei 51.375%.

Australien 🇦🇺

Der Endgegner: Australien! Das Problem ist, dass viele Wertpapiere in Australien sog. „stapled securities“ sind, also eine Art Mischung aus Stonk und Anleihe. Da lässt sich die „Dividende“ dann in verschiedene Anteile spalten, die alle verschieden besteuert werden. Weiterhin gibt es noch „franking credits“: Vereinfacht ist das der Anteil der Dividende, der aus bereits versteuertem Gewinn bezahlt wird. Auf den fällt z.B. keine Quellensteuer an.

Ein Beispiel: Die Quartalsdividende in Q4 2021 meiner „Rural Funds Group“ lag bei 0.029331 AUD. Das hat sich dann aufgespalten in:

  • 0.014275 AUD: keine Quellensteuer
  • 0.012443 AUD: 15% Qst, volle Anrechnung
  • 0.002613 AUD: 30% Qst, 15% Anrechnung

Die Gesamtbelastung lag dann ca. bei 27.29%. (Bei der nächsten Zahlung kann das aber auch mal deutlich mehr sein!)

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