Executive Summary

Wir besparen monatlich vier ETFs für unsere Kinder mit je 250 EUR bei Scalable Capital (*). Welche ETFs wir genau ausgewählt haben und warum die Depots auf unsere Namen laufen, erfahrt ihr hier.

Warum ein Kinderdepot?

Wie wir alle wissen, funktioniert der klassische Banksparplan aktuell nicht so gut. Hätte eure Ur-Ur-Ur-Ur-Großmutter aber damals für euch einen ETF-Sparplan angelegt, so wärt ihr jetzt drölftausend % im Plus.

Spaß beiseite: Keiner weiss, ob die vergangenen Renditen von vielleicht durchschnittlich 7% p.a. im breiten Markt weiterhin realistisch sind. Aber generell hört es sich trotzdem sinnvoll an, einen sehr langfristigen Sparplan anzulegen.

Wollt ihr das für eure Kinder machen, stellen sich mehrere Fragen!

Depot auf Namen des Kindes?

Früher war es so, dass ihr bei thesaurierenden ETFs erst weit in der Zukunft beim Verkauf Steuern zahlen musstet. Das hat sich mit der letzten Version des Investmentsteuergesetz verändert und unter bestimmten Bedingungen fallen nun laufende Steuern an – Stichwort Vorabpauschale.

Legt ihr ein Depot auf den Namen eures Kindes an & hinterlegt eine Nichtveranlagungsbescheinigung, so greifen aber automatisch hohe Freibeträge (fast 11k EUR pro Jahr). Hier gibt es aber einen Nachteil, der damit einhergeht …

Der Nachteil!

Grundsätzlich wird euer Kind mit 18 Jahren vollen Zugriff auf das Depot erhalten. Will heissen, die Uhr tickt! Ihr müsst euch sicher sein, dass ihr euer Kind vernünftig erzieht, sonst ist am 18. Geburtstag plötzlich das Depot leergeräumt und so ein Ding steht vor dem Haus:

Die Alternative?

Alternativ führt ihr das Depot auf euren Namen. Dann gehört das Geld formal weiter euch, ihr profitiert aber nicht von entsprechenden Steuerstundungseffekten und dem damit verbundenen Teil des Zinseszins-Effektes. Um wieviel Geld geht es? Schwer zu sagen! Das hängt extrem davon ab, wieviel Vorabpauschale jedes Jahr fällig werden würde – und die hängt wiederum an einem ominösen Basiszins. Sollte das aber irgendwann zuviel werden, so kann ich das Depot auch jederzeit auf das Kind per Schenkung übertragen.

Wir haben uns deswegen für diesen Weg entschlossen und weil wir passenderweise zwei Kinder haben, läuft ein Depot auf mich und eines auf den Namen meiner Frau. Ein kleiner Vorteil des ganzen Setups: Ein Depot direkt auf das Kind bieten nicht alle Banken an und das Eröffnen ist immer etwas bürokratisch. Das konnten wir uns damit sparen.

Trotzdem: Wo gute Kinderdepots?

Wollt ihr trotzdem ein Depot auf den Namen eures Kindes, so gibt es hierfür aber auch viele gute Angebote. Persönlich hätte ich darauf geachtet, dass ich die geplanten ETFs kostenlos besparen kann. Hier ein paar Beispiele:

Gute „richtige“ Kinderdepots auf den Namen eurer Kinder findet ihr beispielsweise bei der Consorsbank (*), bei comdirect (*) oder bei der ING (kein Affiliate-Link!).

Welchen Broker nutzen wir?

Ich wollte nicht schon wieder ein neues Depot aufmachen und habe mich deswegen entschlossen, erstmal die Sparpläne bei Scalable Capital laufen zu lassen, da ich die Firma und die Gründer noch von meiner Goldman-Zeit gut kenne.

Hier führen wir unsere Kinderdepots unter unseren Namen: Scalable Capital (*)

Meine eigenen paar Wertpapiere habe ich dort wegübertragen (da ich für meine Stonks hauptsächlich nur noch justTRADE nutze) und damit steht einer sauberen informellen Trennung des eigenen Depots und des „Kinderdepot“ nichts mehr im Weg.

Jetzt zu den ETFs! MSCI ACWI oder 70/30 DM/EM?

Beim Broker würde ich sagen: Am Ende ist es fast egal, wo ihr das macht – wichtiger ist, dass man überhaupt mal loslegt! Bei den ETFs sehe ich das ähnlich: Am Ende ist der Unterschied in der 10. Nachkommastelle der Kostenquote oder des Tracking-Errors für mich persönlich eher egal.

Genauso die Frage: Welche Indices? Ob ein breiter ACWI oder eine 70/30 DM/EM Kombination für die nächsten 18 Jahre das beste ist? Keine Ahnung, das kann euch niemand sagen. Also welche ETFs haben wir jetzt genommen?

goldgraf Sonderweg!

Das Problem aus meiner Sicht: Ich bin persönlich langfristig relativ positiv gegenüber chinesischen & indischen Aktien gestimmt. Sowohl in der ACWI Lösung als auch in einer MSCI DM/EM Kombination sind diese Aktien aber relativ wenig vertreten.

Noch schlimmer: Im MSCI EM sind „richtige“ chinesische A-Aktien (also die Aktien, die die Festlandchinesen selbst halten) immer noch kaum vertreten. Der China-Anteil wird dort von den Cayman-Briefkastenfirmen (Tencent, Alibaba, etc.) dominiert. Das sind übrigens auch die, gegen die der chinesische Regulator gerne vorgeht …

Also, was wird bespart:

🇺🇸 iShares S&P500 (IE00B5BMR087)

Ich glaube, hier müssen wir nicht viel begründen. USA sollten in meinen Augen auf jeden Fall im Kinderdepot sein. Der Nasdaq ist mir zu fokussiert auf tech-artige Stonks und der Dow Jones ist durch seine Preisgewichtung als Index ein schlechter Scherz und meines Wissens nur dafür da, dass die deutsche Finanzpresse fragen kann: „Wo steht denn der Dau Tschons?“

Warum genau den S&P500 ETF? Der dürfte der größte vom Volumen her sein und bei 0.07% Kosten brauch ich nicht weiter suchen. Mehr Infos zum ETF findet ihr hier.

🇨🇳 Xtrackers CSI300 (LU0779800910)

Wer aufmerksam meinen Instagram-Kanal verfolgt, sollte nicht überrascht sein! Der CSI300 ist ein breiter chinesischer Aktien-Index bestehend aus A-Aktien.

Vorteil: Der ETF ist swap-basiert und stellt (vereinfacht gesprochen) eine synthetische Gegenposition zu Short-Trades da. Die „Leihekosten“ dieser Shorts werden im ETF durch „negative ETF-Kosten“ weitergegeben. Damit outperformt der ETF den Index!

Quelle:  Hier!

Warum genau den CSI 300 ETF? „Negative Kosten“ ftw! Mehr Infos zum ETF findet ihr hier. Leider gibt die DWS das oben beschriebene „Swap Enhancement“ nicht mehr dort an. An dem Performancevergleich mit dem CSI300 Index sieht man das aber noch ganz gut.

🇮🇳 iShares MSCI India (IE00BZCQB185)

Mein Argument für Indien setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: Auf der einen Seite besteht natürlich ein klassischer „demographischer“ Vorteil (man stelle sich vor, die indische Bevölkerung fängt an, breit ihre eigenen Aktien zu kaufen) und auf der anderen Seite sind im MSCI India viele Einzelwerte mit hohem Gewicht drin, die ich fundamental interessant finde. Weil der Index aber so konzentriert ist, ist die Gewichtung etwas niedriger im Sparplan als z.B. beim S&P 500 und CSI 300 sein.

Warum genau den MSCI India ETF? Der billigste MSCI India ETF von den Kosten her, auch wenn leider immer noch 0.65%. Es gäbe noch einen FTSE India von Franklin, der deutlich billiger ist, aber da ist mir das Fondsvolumen zu klein. Mehr Infos zum ETF findet ihr hier.

🇪🇺 Lyxor STOXX600 (LU0908500753)

Mein lowest conviction ETF: Ich befürchte, dass Europa auch in Zukunft weiterhin die größten Probleme haben wird. Trotzdem müssen wir dem Home-Bias natürlich irgendwie Rechnung tragen und ich bringe es nicht übers Herz, den DAX mit 40 Werten zu kaufen …

Warum genau den STOXX 600 ETF? Mit 0.07% Kosten auch einer der billigsten. Mehr Infos zum ETF findet ihr hier.

Wieviel wird gespart?

Erstmal am wichtigsten: Es kommt gar nicht so stark auf die initiale Summe an! Schon ab wenigen Euro kann so ein Sparplan Sinn machen. Als verbeamteter Professor kann ich mich natürlich nicht über mangelnden Lebensstandard beschweren und habe das Glück, im Prinzip das ganze Kindergeld (und ein bisschen mehr) zurücklegen zu können.

Wir machen es also pro Kind so:

Und jetzt?

Jetzt lassen wir den Sparplane laufen und werden uns auf Instagram als auch hier regelmäßig anschauen, ob wir die „versprochenen“ 7% p.a. bekommen 😅

Aktueller Stand 21. Juli 2022:

Ganz am Ende möchte ich euch noch über den aktuellen Stand eines der beiden „Kinderdepots“ informieren. Ich werde mir auch nochmal überlegen, wie ich das zumindest ein wenig hier tracken kann, ohne das diese Infoseite zu unübersichtlich wird!

Trotz fallenden/stagnierenden westlichen Märkten, hat über die ersten drei Ausführungen der klassische Cost-Average-Effekt schon seine Stärke ausspielen können. Aktuell liegen wir sogar auf alle vier ETFs im Plus, wenngleich der STOXX 600 doch deutlich hinten liegt.

Überrascht mich aber auch nicht, denn der war ja mein lowest-conviction-pick, wie man es in schönem Finanzdenglisch sagen würde 😉

Bin gespannt, ob wir noch unsere 7% p.a. bekommen …

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